Deutsch-Türkischer Wirtschaftstag: „Business im Zeitalter der Digitalisierung“

M. Erkan Öner 08.10.2019
Sehr geehrter Herr Reuter,
sehr geehrter Herr Prof. Dr. Bauer,
lieber Herr Şen,
sehr geehrter Herr Ptok,
meine Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie heute in der Residenz unseres Generalkonsulats begrüßen zu können. Seien Sie alle sehr herzlich willkommen.

Als östlichster Teil des Westens und westlichster Teil des Ostens nimmt die Türkei in einer Region voller geographischer, historischer und kultureller Reichtümer eine strategische Position ein.

Heute werden wir die Möglichkeit erhalten, durch sehr geschätzte Redner die Türkei und „Business im Zeitalter der Digitalisierung“ aus verschiedenen Blickwinkeln zu erfahren.
Als letzter Redner bei den Impulsvorträgen wird Herr Rainer Ptok von der Agentur „Invest in Turkey“ einen umfassenden Einblick über das Investitionsklima in der Türkei gewähren. Deshalb werde ich jetzt nur kurz auf die aktuellen türkisch-deutschen Handels- und Wirtschaftsentwicklungen eingehen.

Historisch betrachtet sind die Türkei und Deutschland zwei alte Freunde, sowie zwei starke Partner und Verbündete. Schon im Jahre 1761 unterzeichneten Friedrich der Große und Sultan Mustafa III einen Freundschafts-, Schifffahrts- und Handelsvertrag.

Die Türkei pflegt zu Deutschland weiterhin vielfältige Beziehungen auf politischer, wirtschaftlicher und auch auf menschlicher Ebene. Die rund 3,5 Millionen Menschen, die der türkischen Gemeinschaft in Deutschland angehören, leisten seit über einem halben Jahrhundert einen beachtlichen Beitrag zum Wohlstand der Bundesrepublik.

Mittlerweile sind zahlreiche Menschen mit türkischen Wurzeln Arbeitgeber geworden. Heute beschäftigen rund 96.000 türkischstämmige Unternehmer etwa 500.000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Jahresumsatz von ca. 50 Mrd. Euro. Andererseits leisten etwa 7.500 deutsche Unternehmen durch Direktinvestitionen einen wichtigen Beitrag für die türkische Wirtschaft. In diesem Gebiet ist Deutschland einsamer Spitzenreiter, gefolgt von England und den Niederlanden.

Deutschland liegt im Zeitraum von 2002 bis 2018 mit rund 9,2 Mrd. Euro auf Rang 6, was die Summe der Direktinvestitionen betrifft.

Auf der anderen Seite wiederum ist die Türkei ein sehr beliebtes Reise-, Urlaubs- und Auswanderungsland für deutsche Touristen und Rentner, deren Zahl stetig zunimmt.
Faktisch betrachtet sind somit die Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland intensiver als zu vielen ihrer jeweiligen eigenen Nachbarländer.

Liebe Gäste,

wie allseits bekannt, wurde die türkisch-deutsche Zusammenarbeit in den letzten Jahren auf eine Belastungsprobe gestellt. Die Anspannungen zwischen der Türkei und Deutschland haben die bilateralen Beziehungen, auch die wirtschaftlichen Beziehungen, belastet. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass das bilaterale Handelsvolumen 2018 um 5,6 % von dem Rekordwert 37,6 Mrd. Euro auf 35,5 Mrd Euro gesunken ist.

Eine Bilanz von hochrangingen gegenseitigen Besuchen der letzten zwölf Monate zeigt uns aber, dass wir gemeinsam viel erreicht haben. Die bilateralen Beziehungen entwickeln sich wieder positiv. Zusammenarbeit in Wirtschafts- Handels- und Energiefragen vertieft sich.

Das Handelsvolumen zwischen Baden-Württemberg und der Türkei erreichte 5,77 Mrd. Euro im Jahr 2017 und schrumpfte in 2018 um 4% auf 5,53 Mrd. Euro. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres haben wir einen Rückgang von 11% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erlebt, was vor allem auf die Konjunkturschwäche in der Automotivbranche zurückzuführen ist.

Zahlreiche Unternehmen aus Baden-Württemberg haben sich schon lange in der Türkei niedergelassen.

„Bosch“ ist seit 1910 in der Türkei tätig, produziert seit 1972 in der Türkei und vermutet, ihren Umsatz in 2019 um 25 % zu steigern. In 2018 hat Bosch ein Designzentrum für die Automotivindustrie im Wert von 200 Millionen Euro eröffnet. „Daimler“ produziert seit 1967 Busse und LKWs in der Türkei. „EnBW“, in einem Konsortium mit „Borusan Holding“ ist eine der größten Unternehmen in erneuerbaren Energien in der Türkei und hat in Windenergie eine installierte Gesamtleistung von 505 MW erreicht.

Liebe Gäste,

die deutsche Wirtschaft sollte insgesamt an der Türkei als Wirtschaftspartner festhalten – nicht zuletzt aufgrund des Potenzials, das sich aus der demografischen Entwicklung und dem damit zusammenhängenden starken Binnenkonsum in der Türkei ergibt. Auch die zahlreichen gigantischen Infrastrukturprojekte, an denen die Türkei trotz schwächelnder Wirtschaft festhält, könnte deutschen Unternehmen in Zukunft interessante Aufträge einbringen.

Ich bin zuversichtlich, dass das aktuelle Handelsvolumen zwischen der Türkei und Deutschland in naher Zukunft auf 40 Mrd. Euro steigen und somit einen neuen Rekordwert erreichen wird.

Schließlich ist in den Bereichen wirtschaftliche Zusammenarbeit, Handel, Investitionen und Tourismus ein weitaus größeres Potenzial vorhanden, das unsere beiden Länder noch stärker in Bewegung setzen könnte.

Zum Beispiel im Energiesektor (Geothermie, Windkraft, Solarenergie, Bioenergie und Wasserkraft). Die Automobil- und Textilindustrie, der Maschinenbau-, Chemie- und Dienstleistungs¬sektor und die Logistik, der gesamte Hightech-Bereich, die Telekommunikationstechnologie und Elektronik weisen ebenfalls großes Potenzial auf.

Für Baden-Württembergische Investoren gibt es in der Türkei ganz offensichtlich große Chancen in den Bereichen „Erneuerbare Energien“, „Automotivindustrie“, „Luftfahrt“ und „Digitalisierung“ der Wirtschaft.

Die türkischen und deutschen Unternehmen, deren gemeinsame Projekte wir mit Freude verfolgen, leisten auch einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Annährung beider Länder.

Die Türkei bietet eine junge und dynamische Bevölkerung, gut ausgebildete Ingenieure und einen erfahrenen Privatsektor.

Ich bin der Überzeugung, dass die deutschen Unternehmen in der Türkei ihre Aktivitäten in unserem Land auch in den kommenden Jahren verstärkt fortsetzen werden.

Werte Gäste,

abschließend möchte ich mich für Ihr Interesse und Ihre Teilnahme am heutigen Wirtschaftstag nochmals herzlich bedanken. Ein Dank gilt auch Herrn Şöhret für sein Engagement bei der Vorbereitung dieser Veranstaltung und seine Moderation.

Ich wünsche uns nun allen einen interessanten und informativen Nachmittag und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Atatürk

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